Die Stiftung

Milton Ray Hartmann, Gründer der Milton Ray Hartmann-Stiftung, war ein Pionier des Schweizer Films. Er war überzeugt, dass das neue Medium «Film» für die Bildung nachhaltigen Nutzen bringt. Den Grundstein für die «Stiftung zur Förderung des Kultur-, Dokumentar- und Unterrichtsfilms», die er 1958 ins Leben rief, legte er bereits Jahrzehnte davor. Am 14. Juni 1921 gründete er gemeinsam mit seinem Weggefährten August Kern, dem bernischen Schulinspektor Dr. Schrag und einem Dutzend weiteren Persönlichkeiten die Genossenschaft «Schweizer Schul- und Volkskino (SSKV)».

Der Hauptzweck des SSVK waren die Gründung, Verwaltung und Nutzbarmachung eines Leiharchives für Schul- und Volksfilme. Dazu gehörte die leihweise Abgabe dieser Bildungsmittel auf gemeinnütziger Grundlage an Lehranstalten, sonstige Institutionen und Private.

Die Welt in den Schulstuben

Mit Hilfe von Kofferkinoapparaten brachte Milton Ray Hartmann ab dem Jahr 1921 das bewegte Bild schweizweit in die Schulstuben – Geschichten aus fernen Welten bereicherten den Unterricht. Eine Pionierleistung in der Erschliessung neuer Technologien für die Bildung. Als Mitarbeitende standen Hartmann anfänglich August Kern als technischer Leiter, eine Sekretärin und vier Vorführungsoperateure zur Verfügung. Schon im Herbst des Gründungsjahres konnte die Genossenschaft ein erstes Verzeichnis veröffentlichen: 61 Diapositivserien mit 3064 Bildern samt Begleitvorträgen, dazu 198 Filme von total 34'297 Metern Länge.

Rasche technische Neuerungen haben die Genossenschaft immer wieder an ihre finanziellen Grenzen gebracht. Dem 35-Millmeter-Format folgten 1923 kurz aufeinander die neuen Formate in 16 und 9,5 Millimetern, 1932 die Filmbreite von 8 Millimetern und 1965 schliesslich das Super-8-Format. Parallel zu diesem Wettlauf der analogen Technologien keimte das digitale Zeitalter. 1958 bauten Jack Kilby und Robert Noice unabhängig voneinander die ersten integrierten Schaltkreise.

Das Vermächtnis sicher

Die dauernde prekäre Finanzlage des SSVK liess in Milton Ray Hartmann den Entschluss reifen, persönlich einen Beitrag zur Förderung des guten Films zu leisten. Zu seinem 60. Geburtstag gründete er 1958 seine Stiftung. Damit wollte er seiner inzwischen bald 40-jährigen Genossenschaft und ähnlichen gemeinnützigen Organisationen im öffentlichen Interesse eine dauerhafte Finanzierung sichern.

Fortdauernder Gestaltungswille

Das Pionierwerk für den Schulfilm hat sich entlang des technologischen und gesellschaftlichen Wandels laufend den veränderten Bedingungen angepasst. Heute unterstützt die Milton Ray Hartmann-Stiftung innovative Digitalisierungsprojekte in Schule und Unterricht gemäss ihren Förderkriterien

Parallel dazu hat sich die ursprüngliche Genossenschaft zur heutigen Fachagentur Educa  gewandelt. Sie unterstützt das Bildungssystem bei der Qualitätsentwicklung im digitalen Bildungsraum Schweiz. Anlässlich des 100. Gründungstags der Genossenschaft fand am 14. Juni 2021 in Bern die Uraufführung des epischen Bühnenstücks «Kofferkino» statt. Es nimmt die Zuschauenden mit zu den Anfängen der Genossenschaft und schlägt die Brücke zu den heute wirkenden Innovationskräften im Bildungsraum.